Das Tier in der Kunst – von der" Zusammensetzung" zur "Natural Form"

Das Tier als Symbol eines harmonischen Lebens mit der Natur war schon zentrales Thema in den Tierbildnissen Franz Marcs. Im Gegensatz zum Menschen, der durch Wissenschaft und Technik entnaturisiert ist, verkörpert das Tier ursprüngliche Reinheit, eingebettet in einem instinktsicheren Leben. Mittels der Technik überschreitet der Mensch Grenzen der Natur, erzeugt nackte Mäuse oder Chimären aus zwei Individuen, wie die Hunde-Chimäre aus der Forschung der 1930er Jahren.

Die Münchner Künstlerin Tanja Fender nutzt dieses Bild als Symbol unserer Anmaßung gegenüber der Natur. Verzweifelt, geradezu um Hilfe bittend blickt die Chimäre den Besucher an. Jedes Silikonwesen dieser Ausstellung berührt die emotionale Seite des Besuchers. Betritt man den Kunstverein Ebersberg so begegnet man einem riesigen aufrechtstehenden Bären, der in seinem Gestus, einem zunächst zurückschrecken lässt. Er hält einen auf Abstand.

 

        

Wenn man ihn umschreitet verändert sich der bedrohliche Eindruck. In seinen Arm hält er ein Bündel Mensch, das er beschützend an sich drückt. So wandelt sich das Bedrohliche in ein Beschützendes, der erste Blick wird korrigiert und damit die Assoziationsbereitschaft des Betrachters für eine ganz andere Dimension geöffnet. Für die aus Kirgisien stammende Künstlerin ist der Bär ihr Totem, ihr Beschützer. Der Schamanismus ist eine Quelle aus der Tanja Fender ihre Ideen schöpft. So zeigen ihre Aquarelle Verwandlungen und Verschmelzungen von Mensch und Tier, die Urkraft und Schöpfung, die sich in der Geburt aber auch im Vergänglichen zeigt.

Wie Franz Marc sieht auch Tanja Fender Mensch und Tier auf einer Ebene, als Teil eines gemeinsamen Ganzen, in der Mensch und Tier nicht mehr oder weniger wert sind. Ganz anders als in unserer globalen monitären Welt, in der alles eine Ware wird und einen Wert hat. Nach Marc tauschte der Mensch mit jedem technischen Fortschritt eine alte intuitive Fähigkeit ein. Tanja Fender versucht mittels des Schamanismus das Instinktive wieder dem Menschen zugänglich zu machen, Mensch und Tier wieder in eine Lebenslinie zu stellen, an dessen Ende nach Marc das Geistige steht, dass alles Weltliche vereint.

Für den kritischen Blick auf die Frau als Ware, nutzt auch die Künstlerin und Theoretikerin Sharon Kivland die Symbolkraft der Tierbilder. Im Kunstverein Tiergarten Berlin veranschaulicht eine Menagerie präparierter Tiere wie Wiesel, Füchse und Eichhörnchen - jeweils mit politischen Symbolen und sexualisierten Fetischen ausgestattet – die Funktion von Frauenbildern in der ökonomischen Theorie und in der gesellschaftlichen Wirklichkeit kapitalistischer Systeme. „Schlaue Füchse“ spielen mit rosa Neglichès, verdeutlichen wie Posen, Blicke und Erotik zum Verkauf aller Waren eingesetzt werden. Diesen Bildern setzt die Künstlerin Texte von Karl Marx und Sigmund Freud gegenüber, die diese Bilder einer männlichen und ökonomisch dominierten Welt auch in analytischen Texten erklären. „Die Ware als etwas Weibliches, eine Frau zum Tausch und zur Wertschöpfung durch diesen Tausch. Lektüre und Politik werden in der Ausstellung von Sharon Kivland feminin heraufbeschworen, sind in Seide oder Satin gehüllt, bepelzt.“

Die Ausstellung „Zusammenfügung“ von Tanja Fender kann noch dieses Wochenende im Kunstverein Ebersberg besucht werden.

Kunstverein Ebersberg
Im Klosterbauhof 6
85560 Ebersberg
Öffnungszeiten: Freitags 18 bis 20 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr.
www.kunstvereinebersberg.de

Die Ausstellung „The Natural Forms, Part II. „ von Sharon Kivland im Kunstverein Tiergarten wird heute um Freitag, 11. Dezember, 19 Uhr eröffnet.

Ausstellungsdauer: 12.12.2015 - 23.1.2016,
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 13 - 19 Uhr
Galerie Nord | Kunstverein Tiergarten
Turmstraße 75
10551 Berlin
www.kunstverein-tiergarten.de