Aus Mustafa wird Johann, Taufen als Mittel der Integration in den Zeiten des Barock

Entlang der Attel genossen bei traumhaften Wetter Zwei-und Vierbeiner die lange Wandertour im Schutz des Klosters.

 

Wichtigestes Mittel der Integration der Beutetürken war die Taufe. Im 17. Jahrhundert war das Taufen der muslimischen Türken ein Akt der Einbürgerung. In den Matrikelbüchern des Kloster Attel finden sich 10 Taufeinträge von Kriegsgefangenen aus den Türkenschlachten, die durch die Beteiligung Max Emanuels nach Bayern gekommen waren. Nicht nur der Kurfürst, sondern auch die Offiziere brachten aus den Schlachten nicht nur wertvolle Sachbeute, sondern auch Kriegsgefangenen mit, die dann in ihren Diensten arbeiteten, die sie verkauften oder auch verschenkten. So wurden auch dem Kloster Attel ein junges Mädchen geschenkt.

 

Maria Johanna Fredericka Baronin Lidl von Borbula "alla turca"?

 

Johann Baptist Georg Freiherr Lidl von Borbula, „Türkenschreck“ und erster Husar in Max Emanuels Kriegsdiensten brachte 1687 ebenfalls ein paar Beutetürken auf sein Schloß Hart bei Edling. Das junge Mädchen, das dem Kloster Attel geschenkt worden war, kam auch in seine Dienste und wurde in der dortigen kleinen Schloßkapelle getauft. Türkentaufen waren eine gesellschaftliches Spektakel. Sie waren so beliebt wie Hexenverbrennungen und Hinrichtungen. Die Muslime wurden in Deutsch unterrichtet und mussten vor allem die Bibel auswendig lernen. Nach 2 Jahren wurde dann die Taufe gefeiert. Die Täuflinge wurden im Bibelwissen vor versammelter Manschaft ausgefragt, mussten sich selbst als "elende Türken, die dem mosemlanischen Heidenglauben verfallen waren" anklagen und dann den ketzerischen Glauben ablegen und sich als Christ bekennen. Darauf folgte der Taufakt und mit dem Erhalt eines christlichen Namens  wurden die "Ausländer" in die christliche Gemeinschaft aufgenommen.

 

Ein wahrer Schatz ist die kleine Kapelle in Schloß Hart, in der vier Beutetürken getauft wurden.

 

Die Nachfahren dieser konvertierten Beutetürken sind schon in der zweiten Generation assimiliert. Denn neben der Taufe war vor allem die Eheschließung das Mittel der Integration. Die muslimischen Kriegsgefangenen, die für das Kloster Attel und den Freiherrn Lidl arbeiteten, heiratete hinaus in die Region des traumhaften Inn- und Atteltals.

 

Die Wanderung bietet den Hunden immer wieder Gelegenheit zum Baden.

 

Religion und christliche Sitten waren der Stoff, der das Leben der Menschen zusammenhielt. Nicht selten wurden christliche Kirchen auf alten religiösen Kultstätten erbaut. So wie die kleine gotische Kirche St. Magdalena in Unterübermoos, die auf den Fundamenten eines römischen Gebäudes errichtet wurde. Das beeindruckende Kleinod zeigt im Inneren eine barocke Ausstattung aus der Zeit der Türkenkriege.

 

Ein kurzer Blick auf St. Magdalena und weg - Hunde genießen Kunst und Natur.

 

Das 17. Jahrhundert und die 1. Hälfte des 18. Jahrhundert waren eine bewegte Zeit, da die Bevölkerung durch Pest, 30-jährigen Krieg, Türkenkriege und Exil ihres Landesfürsten Max Emanuel stark reduziert wurde. Jede Familie hatte durch Krieg oder Seuche Angehörige verloren, war in Armut gestürzt oder musste verletzte Heimkehrer versorgen. Daher wundert es nicht, als ein Kreuz 1628 im Inn vor Attel angeschwemmt wurde, schnell Ziel einer ausgeprägten Wallfahrt wurde. Das Kloster Attel ergriff die Gelegenheit, die sich durch die Geldeinnahmen ergaben und machte das Ziel der Wallfahrt durch einen eigenen Kirchenbau für das Kreuz attraktiver. Das 17. und 18. Jahrhundert wurde eine Zeit ausgeprägter Volksfrömmigkeit in der der Türke als Symbol des Teufels diente, der durch die Kraft Gottes zum christlichen - zum wahren Glauben bekehrt wurde. Und jeder Christ, der dazu beitrug, dass Einer der jugendlichen Kriegsgefangenen in die christliche Gemeinschaft aufgenommen wurden, hatte damit Pluspunkte für sein Seelenheil gesammelt.

 

Eines der Bilder in Kloster Attel, die die Auffindung und den Wallfahrtskult um das Kreuz zum "Herrn in Elend" darstellen.

 

Wer die Wanderung mit all seinen geschichtlichen Hintergründen, Zitaten, Bildern und Tourentipps nachwandern will, kann den 25-seitigen Wanderführer mit Routenplan bei mir erwerben.

Weiter geht es mit dem Beutetürken am Sonntag den 1. Mai. Wir wandern von der Ebersberger Klosterkirche St. Sebastian entlang der Klosterseen und durch den Ebersberger Forst zum Waldmuseum. Alle wander- und kulturfreudigen Zwei- und Vierbeiner sind herzlich willkommen!

 

Die abwechslungsreiche 4,5 stündige Wanderung geht durch Wiesen und Wälder, bietet Badespaß und Kulturkleinode und somit einen traumhaften Tag für Zwei- und Vierbeiner!

Kommentare

Vielen Dank

Diese Wanderung war für Mensch und Tier ein echtes Event.

Vielen Dank für die vielen Informationen, die kompetente Führung und das Aussuchen des hevorragenden Restaurants im Schloss Hart.
Wir sind demnächst gerne wieder dabei.
Herzliche Grüße Uli und Nala