Gestrandet in Wasserburg - die Handelsstadt als Schmelztiegel östlicher und westlicher Kulturgüter

Ein aktuelles Kultur-Event der Flüchtlinge in Wasserburg begleitet die Kulturwanderung über die Beutetürken im 17. Jahrhundert

Die erste Tour zur diesjährigen Themen-Wanderung "Beutetürken in Bayern im 17. Jahrhundert" startete in Wasserburg. Neben den vierbeinigen Kulturwanderprofis haben uns diesmal einige Geschichtsbegeisterte Wasserburger begleitet. Gestartet sind wir bei der Akademie der Sozialverwaltung. Dort stand einst das Bruderhaus in dem Siechende und Kranke von der Stadt isoliert wurden. Da Wasserburg in der großen Pest 1634-35 ein Drittel seiner Bevölkerung verloren hatte, wurden Truppen, die aus den Türkenkriegen zurückkamen immer außerhalb der Stadt einquartiert. In der Bucht direkt neben dem Bruderhaus sind die 300 osmanischen Kriegsgefangenen aus Ofen, der damaligen Hauptstadt Ugarns am 17. Oktober 1686 gelandet. Die Bürger Wasserburgs, die durch den internationalen Salzhandel ein buntes Stadtbild gewohnt waren, bestaunten die muselmanische Schar, die vorwiegend aus Kinder und Jugendlichen bestand. Schwer traumatisiert, entwurzelt und krank verbrachten sie zusammen mit den Soldaten nur wenige Tage in Wasserburg und brachen dann zur Fuß nach München auf.

In der kurzen Stadttour wurde die Situation der Ware „Türke“ im Kontrast zu den reichen Handelsbürger Wasserburg dargestellt. Die Türkenkriege Max Emanuels haben auch die Situation der Wasserburger beherrscht, denn als Hafen der Residenzstadt München wurden Soldaten, Kriegsgeräte, Versorgungsgüter und auch die Beute über den Handelsknoten Wasserburg verschifft. In der 1-stündigen Stadttour besuchten wir den Handelshafen Am Gries, die Gedächtnis-Kapelle für Kurfürst Max Emanuel, den Handelsumschlagsplatz am Marienplatz, die Mauthäuser und Salzbrücke und vieles mehr.

 

Ein Dankeschön der Flüchtlinge in Wasserburg
 

Beim Freilauf am Inn durften wir an einem beeindruckenden Event der heutigen Flüchtlinge teilnehmen. An einem Schoppen auf dem früher Güter den Inn transportiert wurden, bedankten sich die Flüchtlinge für die Aufnahme und Hilfe der Wasserburger Bürger mit Blumengirlanden. So war das historische Thema der Beutetürken mit dem heutigen der moslemischen Flüchtlinge aufs engste verbunden.
Auf der 3-stündigen Wandertour genossen wir mit steigenden Temperaturen und einigen Sonnenstrahlen die traumhafte Landschaft am Innufer. In Zell konnten wir dann die kleine Filialkirche aus der Romanik aufschließen. Dieses Kleinod präsentiert seltene frühgotische Wandmalereien und Hochgotische Altäre. In seiner Ursprünglichkeit und idyllischen Ruhe hat es Mensch und Hund in seinem Bahn genommen.

 

Goya im frühgotischen Ambiente der Filialkirche in Zell
 

Und so endet die Wandertour über die Beutetürken in Wasserburg. Mit einem Symbol des christlichen Glaubens. Einer Religion, die im Morgenland entstanden ist und durch das Großreich der Römer seine Wurzeln in Europa geschlagen hat.

  Mit Hundekumpel macht das Wandern noch mehr Spaß.
 

Wer die Wanderung mit all seinen geschichtlichen Hintergründen, Zitaten, Bildern und Tourentipps nachwandern will, kann den 25-seitigen Wanderführer mit Routenplan bei mir erwerben.

Weiter geht es mit dem Beutetürken am Sonntag den 20. März. Wir wandern vom Kloster Attel zum Renaissance-Schloß Hart. Alle wander- und kulturfreudigen Zwei- und Vierbeiner sind herzlich willkommen!